by Greenpeace and friends

Hintergrund Overshoot 2018


Hintergrundmaterial  EOD 2018

In Ergänzung zur Presseaussendung vom 31.Juli 2018 

Während der Earth Overshoot Day 2018 weltweit betrachtet auf den 1. August fällt, trat das rechnerische Öko-Defizit für Österreich schon am 13. April ein. Ab diesem Tag waren  alle Naturressourcen aufgebraucht, die den ÖsterreicherInnen – global betrachtet - fairerweise zustehen würden.
Der etwa 1,7 Global Hektar (gha) maximal verfügbare Footprint pro Erdenbürgerin errechnet sich aus den etwa 13 Milliarden Hektar bioproduktiver Fläche, aufgeteilt auf etwa 7,65 Milliarden Menschen.  Wenn auch die Ansprüche der Millionen anderen Tier- und Pflanzen-Arten berücksichtigt würden, wäre es sogar deutlich weniger.  
Mit einem Footprint von etwa 6 gha in diesem Jahr liegen die Österreicher sehr weit über dem globalen Soll. Wir vernichten systematisch unwiederbringliches Öko-Kapital, anstatt mit den nachhaltigen Zinsen der Naturleistungen auszukommen. Wir sägen damit mehr als nur bildlich an dem Ast, auf dem wir sitzen. Noch lässt sich die Natur scheinbar ungestraft ausbeuten, aber die Überlastung der Natur-Systeme zeigt schon Folgen und geht jedenfalls auf Kosten der Zukünftigen und auf Kosten aller anderen Geschöpfe unserer Erde.

Im Jahr 2014 (aktuellste verfügbare Daten) lag Österreich mit  5,9 gha pro EinwohnerIn  im Spitzenfeld der globalen Ressourcen-Verschwender.  Dies ist wenig überraschend, eher genau durchschnittlich, denn mit Platz 20 im Footprint-Ranking entspricht das ziemlich genau dem Platz 21 in der Liste des Bruttoinlandsproduktes pro EinwohnerIn [BIP(PPP)/Cap lt. IMF] 

Footprint-Effizienz  und Trends

Der 1. August ist der früheste Zeitpunkt, an dem das globale Defizit je begann, zugleich ist der Schritt vom letzten Jahr aber die geringste Verschlechterung seit vielen Jahren. Dieser globale Trend ist noch nicht die Wirkung von Umweltschutzmaßnehmen oder greifender Klimaschutz-Politik, sondern vielmehr hauptsächlich Ergebnis der abgekühlten Konjunktur in den Schwellenländern, allen voran in China, deren steigender Ressourcenverbrauch das Ansteigen des globalen Ökodefizits in den letzten Jahren befeuert hatte.  Zugleich ist seit dem Jahr 2000 auch in den besonders verschwenderischen USA der Energie-Verbrauch pro Kopf gesunken, was den Durchschnittsfootprint pro AmerikanerIn von über 10gha um 18% auf  8,4gha sinken ließ.

Insgesamt ist der Footprint pro Kopf in den reichen Ländern um etwa 13% gesunken,  mit 32% am meisten in Singapur. Immer noch sind die Footprints viel zu hoch, aber dieser Trend zeigt, dass Wohlstand nicht zwangsmäßig für immer mit großen Footprints gekoppelt sein muss.   

Innerhalb der Länder mit großem Footprint zeigen sich noch große Unterschiede in Bezug auf die Footprint-Effizienz,  d.h. mit der  Wirtschaftsleistung, die mit dem jeweiligen Footprint einhergeht. 
In den USA ist mit je 1000 $ BIP immer noch ein Footprint von 1480 gm² (=0,148 gha) verbunden, im etwas wohlhabenderen Irland dagegen mit 650 gm² nicht mal die Hälfte für 1000 $ BIP.  Österreich ist auch hier nur durchschnittlich, denn für je 1000 $ BIP  hinterlassen wir noch einen Footprint von etwa 1180 gm², was zugleich bedeutet, dass es große Verbesserungspotentiale gibt.

Ein Ende des Overshoots ist möglich

Von Global Ecologial Overshoot (ökologischer Überschuldung) spricht man dann, wenn die Menschheit mehr Naturleistungen in Anspruch nimmt, als die Erde bereitstellen kann. Diese Übernutzung von Wäldern, Meeren, Böden führt nicht nur zu dem dramatischen Artenverlust, sondern mittelfristig unweigerlich zu einem Aufzehren des Naturkapitals selbst. Mehr als nur bildlich sägt unser Wirtschaften  an dem Ast, auf dem wir sitzen.  

Anders als Gold, Lithium und alle anderen mineralischen und metallischen Ressourcen ist Biomasse im Prinzip für immer erneuerbar, damit also das ideale Ausgangsmaterial für ein nachhaltiges Wirtschaften.
Zugleich ist Biomasse aber zu jedem Zeitpunkt absolut begrenzt. Mit diesem Dilemma gilt es umzugehen!

Das Ökologische Defizit ist dabei nur von fünf Faktoren abhängig:  wie viele wir sind, wieviel jeder einzelne konsumiert, wie effizient wir produzieren, wie viel bioproduktive Fläche insgesamt zur Verfügung steht und wie viel pro Fläche geerntet werden kann. 



1) Die Anzahl der Passagiere lässt sich kurzfristig nur wenig beeinflussen, darf aber
    natürlich nicht beliebig ansteigen. Die maximal etwa 10 Mrd. Menschen, die mit
    dem Ende des Jahrhunderts zu erwarten sind, kann der Planet aber theoretisch
    verkraften.

2) Der Konsum in den OECD Ländern muss und kann auch sinken. Für drei Viertel
    der Weltbevölkerung wird die Menge der konsumierten Güter und
    Dienstleistungen allerdings noch zunehmen, wodurch mit einem globalen Anstieg
    dieses Faktors zu rechnen ist.

3) Dieser sogenannte Technologie-Faktor ist von zentraler Bedeutung. Denn hier
    geht es nicht um einige Prozent auf oder ab, sondern hier sind Einsparungen von
    90 und mehr Prozent möglich.
Eine gesunde Ernährung kann mit nur 30 Prozent
    des heutigen Footprints gewährleistet werden, Energie könnte gar mit 99%
    weniger Footprint bereitgestellt werden.

4) Die bioproduktive Fläche der Erde nimmt ständig ab. Zum einen durch Phänomene wie
    Wüstenbildung und Bodenerosion,
die durch den Treibhauseffekt sogar noch verstärkt werden.
    Zum anderen versiegelt der Mensch überall auf der Welt wertvolles Ackerland. Allein in Österreich
   gehen pro Tag etwa 15 Hektar biologisch nutzbares Land verloren.

5) Der nutzbare Ertrag  pro Fläche steigt weiter kontinuierlich an. Es ist einzig dieser
   
Ertragssteigerung zu verdanken, dass heute rein rechnerisch weltweit genug Nahrung für Alle
    erzeugt werden kann. (Noch ist Hunger global betrachtet „nur“ ein Verteilungsproblem!)  
    Aber auch das könnte sich rasch ändern. Schon jetzt ist ein Schrumpfen der Ertragszuwächse zu
    bemerken, die Anfälligkeit gegenüber zunehmend extremeren Wetterereignissen und neuen   
   „Schädlingen“ steigt. Nicht vergessen werden darf auch, dass die Ertragssteigerung  teuer erkauft
   wird. Mit Bewässerung, Kunstdünger, Agrargiften und selbst gentechnischen Manipulationen, die    
   zumeist mit negativen Gesundheits- und Umweltfolgen verbunden sind, wobei letztere wiederum
   langfristig die Biokapazität schrumpfen lassen.

Es gilt also, die Bevölkerung und den globalen Konsum einzudämmen (Suffizienz) und das Schwinden der bioproduktiven Flächen zu stoppen oder sogar den Trend umzukehren (sorgsamer Umgang mit Boden und Natur). Und es gilt vor allem, die Footprint-Effizienz der Herstellung von Gütern und der Bereitstellung nutzbarer Energie dramatisch zu verbessern (Effizienz).

Die Technologien und die Kenntnisse dazu haben wir. Was noch fehlt ist der Wille und der Mut zum Umlenken.

Die Rolle Österreichs

Die große Bedeutung Chinas und der USA für den globalen Ressourcenverbrauch darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch für kleine, reiche Länder wie Österreich akuter Handlungsbedarf besteht.

Freilich kann Österreich rein mathematisch praktisch nichts zur Veränderung des globalen Overshoots beitragen, weder positiv noch negativ. Denn selbst ein vollständiges Auflösen von Österreich, ein Footprint von Null – der real nie möglich sein wird - könnte den Earth Overshoot Day nur um wenige Stunden verschieben. (rechnerisch 2h im ersten Durchrechnungsjahr)

Trotzdem gibt es eine Chance für Österreich, einen "global bedeutsamen" Beitrag zu leisten.
Wo, wenn nicht in einem der reichsten Länder und wann, wenn nicht jetzt, in Frieden und bei guter Konjunktur, sollte begonnen werden, den Ressourcenverbrauch auf ein faires Maß zu senken. Staatsziel: ein global verträglicher Fußabdruck!

Schon mit 4 Prozent Footprint-Reduktion pro Jahr, eine ehrgeizige aber durchaus realisierbare Vorgabe, könnte der Footprint bei uns bis zum Jahr 2050 auf ein global verträgliches Maß zurückgehen.  (zu Details der Reduktionsschritte siehe unten)

Das Erreichen dieses Ziels wird alle Ingenieurskunst, alle technische und soziale Erfindungsgabe, die Neugestaltung der Verwaltung, viele Innovationen beim Wirtschaften und eine intensive Aufklärung und Beteiligung der Bevölkerung erfordern.  Was es bringt ist eine grundsätzliche Umstrukturierung  mit der Chance auf wirkliche Zukunftsfähigkeit. Und einen globalen „Nebeneffekt“: Wie schon bei den klassischen Umwelttechnologien, damals bei Kläranlagen, der getrennten Müllsammlung, der chlorfreien Bleiche, etc. ist die Vorbildwirkung  immer weitaus stärker als Appelle oder sogar globale Vereinbarungen. Wenn es bei uns gelingt, das Gute Leben mit einem fairen Fußabdruck zu verwirklichen, dann würden dies „die Chinesen“ genauso geschickt kopieren wie sie das mit Schweizer Uhren oder Deutschen Autos getan haben.

Aber selbst ohne globale Ambitionen gebietet ein ethisch korrektes Leben in einer begrenzten Welt ein Erweitern der Goldenen Regel:

                  „Unsere Freiheit, einen beliebigen Lebensstil zu wählen, endet dort,
                   wo unser eigener Ressourcenverbrauch das Leben und Überleben
                   der Mitmenschen im Raumschiff Erde unmöglich macht!“
 

Bei begrenzter bioproduktiver Fläche wird klar: Jeder Quadratmeter, den ein Mensch über dem fairen Anteil in Anspruch nimmt, bleibt unweigerlich einem anderen Menschen vorenthalten.
Entsprechend kann ein dauerhaft friedliches Zusammenleben auf unserem Planeten nur durch das konsequente Beherzigen der globalen Goldenen Regel gewährleistet werden.

Ein ethisches Verhalten ist dabei immer unabhängig von der Wirkung im Ganzen. Der Vorsatz etwa, keinen Menschen zu töten ist völlig unabhängig davon, ob überall auf der Welt schon Kriege und Töten ein Ende gefunden haben.  Verantwortung beginnt immer bei uns selbst.

Der Zusammenhang mit der Klimadebatte

Weltweit macht der durch CO2 bedingte Anteil des Ökologischen Fußabdrucks („carbon-land“) bereits über 60% aus, in Österreich sogar noch mehr!  Eine deutliche Reduktion des Fußabdrucks erfordert also jedenfalls die Reduktion der CO2 Emissionen,  sogar über die Pariser Klimaziele hinaus, gegen nahe Null.
Das Erreichen der Klimaziele allein wird aber umgekehrt nicht reichen, besonders, wenn die CO2-intensive Fossilenergie hauptsächlich durch Biomasse ersetzt werden soll. Holz – und weitere Agrarprodukte – beanspruchen viel Biokapazität und vergrößern das ökologische Defizit. Die einzige Ausnahme sind echte Abfallprodukte oder die energetische Verwertung am Ende einer kaskadischen Nutzung; beides ist in der verfügbaren Menge aber sehr begrenzt.
Schon heute kann der Bedarf an Holz und agrarischer Biomasse nicht ohne Übernutzung der globalen Wälder, ohne Zerstörung der Böden, ohne Vergiftung des Grundwassers bereitgestellt werden!  Jede Erhöhung des globalen Bedarfs an Biomasse erfordert entweder weitere Intensivierung, mit all den bekannten Problemen wie Gentechnik, Pestizide, Bodenverluste, oder es kommt zu einer „Neugewinnung“ von Forst- oder Agrar-Flächen, was fast immer das schwächste Glied, die Urwälder der Erde betrifft und mit der Vernichtung von Lebensräumen und einer Verringerung der Artenvielfalt einhergeht.

Nur die nicht-biogenen, alternativen Energieformen wie Wind, Sonnenkraft,  Erdwärme-, Gezeiten- oder Osmose-Kraftwerke können klimafreundlich und zugleich Footprint-senkend  wirken. Am wirksamsten freilich ist, überhaupt weniger Energie zu verbrauchen, die Effizienz zu erhöhen und kein Energie zu vergeuden, wofür vor allem im Bereich Mobilität und bei der Gebäude-Heizung und Kühlung große Potentiale vorhanden sind.  

Move-the-date (mehr unter https://www.overshootday.org)

Das Ökologische Defizit kann nicht über Nacht verschwinden, aber es kann Jahr für Jahr verringert werden, und der Overshoot Day damit wieder in Richtung Silvester verschoben werden. Dazu  braucht es Pläne, auf persönlicher genauso wie auf politischer Ebene.

Das „gute Leben“ mit fairem Fußabdruck: Was kann ich tun?

Nur relativ wenige Handlungsfelder machen einen Großteil (etwa 80%) unseres Fußabdrucks aus: ensprechend "einfach" sind die Maßnahmen zur Reduktion.

Statt endlose Liste von kleinen Umweltsünden abzuarbeiten, reicht ein Beherzigen der „5 F“ Regel für die notwendige Reduktion des persönlichen Anteils am Fußabdruck:

1)      Fliegen – besser nie
         Die Lebens-Flugkilometer dramatisch verringern.

2)      Weniger Fleisch und tierische Produkte
         Die konsumierte Menge tierischer Produkte deutlich verringern, Bio-
         Landbau,lokale und jahreszeitgerechte Produkte bevorzugen.

3)      Weniger Fahrten mit dem Auto
         Die zurückgelegten Strecken deutlich reduzieren, langsamer und nie alleine
         fahren,möglichst bald auf E-Mobilität mit Sonnenstrom umsteigen.

4)      Wohnen wie im Fass
         Wohnraum gut dämmen, mehr gemeinsame Nutzung, auf erneuerbare
         Energien setzen, auf öffentliche Erreichbarkeit achten, bei der Ausstattung
         auf weniger und langlebige Produkte achten, Wegwerfprodukte meiden …

5)      Freude an einem nachhaltigen Lebensstil
         Das gute Gefühl, weniger auf Kosten anderer zu leben! Dafür mehr Zeit für
         sich, die Familie und Freunde, mehr Spaß, mehr Wissen, mehr Weisheit ...
         einfach das  bessere Leben! 

Leichter Fuß = leichtes Leben

Viele andere Maßnahmen zum sorgsamen Umgang mit Natur und Umwelt sind selbstverständlich willkommen und können in Summe nützlich sein, bleiben aber ohne die grundsätzlichen Veränderungen bei den „5 F“ nur der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein.

Besonders beim agrarischen Footprint besteht die Möglichkeit, diesen erst gar nicht entstehen zu lassen. Etwa ein Drittel aller Nahrungsmittel geht weltweit verloren, ohne gegessen zu werden! Dazu kommen große Mengen an Getreide, Mais und Soja, die hauptsächlich verfüttert werden.

Vermeidung von Lebensmittelabfällen und ein Wechsel zu mehr pflanzlicher Nahrung statt tierischer Produkte sind wichtige Schritte dazu.
(siehe
Fact Sheet Fleisch des WWF).

Beispiele für Maßnahmen mit globaler Wirkung

Würde der Welterschöpfungstag  jedes Jahr nur um 5 Tage zurück verschoben, könnte die Menschheit im Jahr 2050 wieder mit den Naturressourcen unseres einen Planeten auskommen.

5 Tages Schritt   =             Reduktion des Fleischkonsums um 50%
    *Info: Hat sich Chinas Regierung bis 2030 so jetzt vorgenommen!

5 Tages Schritt   =             CO2 Emissionen um nur 3% reduzieren
    * Halbierung der anthropogenen Treibhausgase wäre ein 93 Tage Schritt
  ** Jeder kann/(muss selber) beitragen um Verbrennung von fossiler Energie zu reduzieren!

11 Tages Schritt =             Weggeworfenes Essen weltweit um die Hälfte reduzieren

   * entspricht dem 12. SDG Ziel (Sustainable Development Goals)

12 Tages Schritt =             50 % weniger Autofahren und 1/3 aller Fahrten werden
                                        durch Öffentlichen Verkehr, zu Fuß gehen oder
                                        Radfahren ersetzt.

Weitere Info unter  www.overshootday.org/solutions/

Beispiele für Maßnahmen in Österreich (im Durchschnitt)

Für Österreich müssen die Ziele etwas ambitionierter sein. Wir ÖsterreicherInnen müssten (im Durchschnitt) unseren Welterschöpfungstag jedes Jahr um 8 Tage zurück verschieben. Auch dies kann durch viele unterschiedliche Maßnahmen und deren Kombination geschafft werden:

8 Tage Schritt     =             Reduktion des Fleischkonsums um 80%
    * Info: Wir essen derzeit ohnehin drei Mal mehr Fleisch, als das
               Gesundheitsministerium empfiehlt.
   **Info: weniger und dafür besseres Fleisch!

5 Tage Schritt     =             Die Hälfte des Personen- und Güterverkehrs in
                                        Österreich von der Straße auf die Schiene bzw. den
                                        Öffentlichen Verkehr verlagern

Das befolgen der 5-F Regel brächte für die DurchschnittsösterreicherIn in etwa folgendes:

5 Tages Schritt   =             Fliegen: „Lebensflugkilometer stark reduziert“

9 Tages Schritt =               fossile Autofahrten halbiert und den Rest mit
                                        Elektroautos (Sonnenstrom!) fahren

9 Tages Schritt  
=             Halbierung des Konsums von Fleisch und aller tierischen
                                        Produkte (Milch, Käse, Eier…)

15 Tages Schritt =             Dämmen unserer Häuser auf etwa Passivhausstandard

3 Tages Schritt =               Umstieg auf echten Ökostrom (=Grünstrom mit UZ46
                                        Zertifizierung)

ACHTUNG: gilt nur  für den Ausgangspunkt Durchschnittsösterreicher!

Beim  persönlichen  Overshoot Day kann z.B. das Streichen der Flüge bei Vielfliegern  oder die Reduktion des Fleischkonsums bei Fleischtigern viel mehr ausmachen.   (siehe  App: http://my.footprint.at/main.html

Auch Maßnahmen wirtschaftlicher und politischer Natur sind von Nöten, da sie die individuellen Entscheidungen unterstützen und zur Regel machen. Auch können sie den sogenannten „Grauen Footprint“ reduzieren, der insgesamt etwa ein Drittel des österreichischen Footprints ausmacht, ohne dass wir diesen direkt beeinflussen können.

Die wirksamsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen wäre eine vollständige Kostenwahrheit,

+ durch ökologische Steuerreform mit Kostenwahrheit für Energie und Ressourcen
   (fossile Energie und Flugverkehr entsprechend ihrer negativen Auswirkung für alle besteuern;    
+ detto für Fleisch und tierische Produkte;
+ Kilometerbezogene Maut für alle Fahrzeuge auf auf allen Straßen, …

+ gedeckelte Ressourcenzertifikate  (zur grundsätzlichen Idee siehe auch   Link)

Weitere wichtige Maßnahmen:

+ vollständige Rücknahmeverpflichtung für Hersteller (für Geräte und Verpackungen!) Dies löst
   auch sofort das „Plastik-Problem“

+Förderung erneuerbarer Energien (z.B.: Ziel 100% Ökostrom)

+ Ausbau des Öffentlichen Verkehrs
    (z.B.: Verdopplung oder Verdreifachung des Öffentlichen Verkehrs durch Restriktionen beim
    Individualverkehr; Am Personenverkehr, der insgesamt am Energieverbrauch über 70% ausmacht
    (ohne Flug), macht der Öffentliche Verkehr (inkl. 2 Räder) nur 9 % aus.)

+ Schutz der Biodiversität und Sicherung der bioproduktiven Flächen durch strenge Auflagen für vermeidbare Bauprojekte

+ neue Lehrpläne: statt "mehr haben" kann das "bessere Leben" gelehrt werden;
   Aufnahme des  Ökologischen Fußabdrucks in Lehrpläne und in die PädagogInnen-Ausbildung

Vorbildhaftes Handeln muss auch von der Politik ausgehen:

Ganz konkret kann sofort damit begonnen werden, den Footprint im gesamten Verwaltungsbereich zu verbessern.
+  Sanierung aller Büro-, Schul-gebäude und Gemeindeämter

+ Umstellen aller öffentlichen Einrichtungen auf 100% Ökostrom (UZ46)

+ Catering  und Schulkantinen auf der Basis gesunder Ernährung, mit kleinem Footprint und 100%
   biologisch aus Österreich,

+ Dienstwagenflotte elektrifizieren

+ Verpflichtung von Nutzung des Öffentlichen Verkehrs bei Dienstreisen wenn möglich

All diese Maßnahmen würden sowohl den Klimazielen als auch dem Ende des Overshoots zu Gute kommen.  Beides ist notwendig, beides ist möglich und wird die Lebensqualität der allermeisten Menschen sogar erhöhen. Allerdings erfordert dieses „Gute Leben mit kleinem Fußabdruck“ massive Änderungen, sowohl im Konsumverhalten der Menschen als auch in der Produktion von Gütern und Nahrung.

Je früher mit dem Verschieben des Overshoot Days begonnen wird und je mehr Menschen dabei mitmachen, desto größer ist die Chance auf eine friedliche Transition.

Die Schwäche der SDGs:

Die Sustainable Development Goals (Ziele zur Nachhaltigen Entwicklung), die 2015 nach jahrelangem politischen Gezanke ”verabschiedet“ wurden, sind ein Katalog von wünschenswerten Zielen und auch - einzeln betrachtet - sinnvollen Maßnahmen.  Aber genau wie schon die Millenniums-Ziele von vor fünfzehn Jahren sind sie weder verbindlich, noch adressieren sie die längst bekannten Widersprüche. Denn die angedachten Programme zur Erfüllung einiger (durchaus wichtiger!) Ziele wie Ende des Hungers, der Armut, bessere Bildung etc. setzen voll auf das bisherige (kapitalistische) Wirtschaftswachstum,  genau jenes Paradigma, das dem Erreichen der meisten Öko-Ziele, wie etwa Klima- und Artenschutz, entgegen steht.  Und der wohl drängendsten Herausforderung, dem Umgang mit der absoluten Begrenztheit der Erde, wird sich gar nicht gestellt.

Mit dem unreflektierten Hersagen der SDGs wird geradezu die Illusion gefördert, es könnte einen Art „neuen Marshall Plan“ geben. Doch nochmals ein solches Ressourcenfeuerwerk zu starten, geleitet von wirtschaftlichem Kalkül – nach den Regeln der freien Marktwirtschaft, ist in einer überlasteten Welt nicht mehr möglich. Auch kann der „Markt“ leider immer nur die Kaufkraft der Habenden bedienen und nie die Bedürfnisse der Ärmsten. So "regelt" der Markt perfekt, dass Soja aus Brasilien zu Schweinefutter und Treibstoff in Europa wird, wärend die hungernden Kinder neben den Sojafeldern vom Markt gar nicht wahrgenommen werden.

Es ist nicht mehr klassisches Wachstum, was die Welt braucht, sondern mehr Teilen; Teilen von Wohlstand, von Ressourcen, von Know-how und sogar von Zeit. Umverteilung von all dem, was schon da ist, Material, Wissen, Wohlstand,  sowohl global als auch innerhalb der Gesellschaften.  

Doch auf so Radikales  wollten sich die Staatschefs nicht einigen, und so rennen hunderte Ministerien und tausende NGOs weiter einem Phantom nach: der Nachhaltigen Entwicklung ohne grundsätzliche Veränderung. Die wird es aber nicht geben!
Nur eine Bereitschaft zur grundsätzlichen Veränderung in der Art und Weise, wie wir produzieren und wie wir konsumieren,  wie wir miteinander und mit der Natur umgehen,  wie wir uns als Gesellschaften global politisch organisieren, wird eine zukunftsfähige Entwicklung in Richtung friedlicher und fairer Welt ermöglichen. Eine Welt, in der die Lebenszufriedenheit der Welt-BürgerInnen weiter wächst, zugleich der Fußabdruck aber deutlich sinkt.  

Zur Berechnung des EOD (Earth Overshoot Day)

Das Global Footprint Network (GFN), ein internationaler Thinktank mit Sitz in Oakland, Kalifornien berechnet jährlich das auf der Erde verfügbare „Natur-Einkommen“ in Form der natürlichen Ressourcen die sich in einem Jahr erneuern können (Biokapazität) und vergleicht es mit den „Ausgaben“ in Form des jährlichen Ökologischen Fußabdrucks, also der tatsächlichen Inanspruchnahme der Naturleistungen der Menschheit, die mit Hilfe von zehntausenden Datensätzen pro Land erhoben werden.

Seit Anfang der 70er Jahre überschreitet die Menschheit das jährliche Öko-Budget von Planet Erde, jedes Jahr ein wenig mehr.

Da globale statistische Daten immer erst einige Jahre später vorliegen, werden zur Abschätzung des aktuellen EODs die seit damals bekannten Trends fortgeschrieben und hochgerechnet. („Nowcasting“ -  Die aktuell verfügbaren Daten beziehen sich auf das Jahr 2014)

Entsprechend  gibt es immer gewisse Unschärfen, die erst später, beim Vorliegen genauer Zahlen, korrigiert werden können.  Beispielsweise ist auf der offiziellen Grafik des GFN der österreichische Overshoot Day am 15. April eingetragen – wir sind für die Aussendungen zum Österreichischen Overshootday und unserer „Hochrechnung“ auf den 13. April gekommen. In jedem Fall eine Unschärfe die nichts an der Grundaussage ändert – „Wir leben auf zu großem Fuß“.
Dazu kommen methodische Veränderungen bei der Berechnung der Footprints. Die früheren Zeitpunkte des EOD können deshalb nicht als Maß für die Entwicklung genommen werden.
Korrigiert man den jeweils „zelebrierten“ Welterschöpfungstag mit den aktuellsten verfügbaren Daten und Methoden, dann erscheint der Trend sogar etwas versöhnlicher, weil er bereits leicht abflacht.



Alle Angaben  Global  Footprint  Network und Plattform Footprint.

download Hintergrundpapier EOD 2018 als PDF

Weitere Hintergrund-Information siehe auch Hintergrund zum EOD 2016

und Hintergrund zum EOD 2017

 

Für den Inhalt verantwortlich:
Wolfgang Pekny und Michael Schwingshackl, Plattform Footprint

Kontakt: office(at)footprint.at