by Greenpeace and friends

Klima passe


Mehr als 20 Jahre nach dem ersten Aufruf der Wissenschaft (1985 im österreichischen Villach anlässlich einer Konferenz) und fast 15 Jahren nach der Klimakonferenz in Rio (1992) ist in Sachen Klimaschutz noch immer nichts Substantielles passiert. Zwar ist es 2004 mit der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls durch hinreichend viele Staaten gelungen, ein einigermaßen verbindliches Instrument zur Reduktion der Treibhausgasemissionen zu schaffen, aber schon heute ist klar, dass diese Maßnahmen bei weitem nicht ausreichen, um den Klimawandel nennenswert aufzuhalten.

Helga Kromp-Kolb und Herbert Formayer, beide tätig an der Universität für Bodenkultur in Wien (www.boku.ac.at), zeigen wissenschaftlich fundiert, wie der Klimawandel heute und in naher Zukunft alle Erdenbewohner gefährdet und dass dringlich Handlungsbedarf besteht. Das "Schwarzbuch Klimawandel" prangert im Gegensatz zu den Bestseller-Vorgängern (Schwarzbuch Markenfirmen, Schwarzbuch Banken, Schwarzbuch Erdöl) keine Unternehmen an und das wohl aus gutem Grund, denn die Verursacher der Bedrohung sitzen nicht in Chefetagen, sondern in jedem Auto. Der Verkehr ist nämlich nach Auskunft der Autoren zu fast einem Drittel für die Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Die genannten und teils bekannten Fakten sind beunruhigend: Der seit 1860 gemessene globale Temperaturanstieg ist im Alpenraum rund dreimal so stark ausgeprägt wie im globalen Mittel. Die Zahl der Tage mit einer geschlossenen Schneedecke ist - kaum zu glauben in Anbetracht des vergangenen Winters - um rund zwei Wochen zurückgegangen und die Gletscher schwinden ebenfalls mit atemberaubender Geschwindigkeit. Im Forschungsprojekt "Prudence" wurden verschiedene regionale Klimamodelle anhand regionaler Szenarien für Europa für die Periode 2070 bis 2100 verglichen. Dabei zeigen alle Modelle eine sehr starke Erwärmung im Alpenraum. In Österreich wird die Temperatur in den nächsten 30 Jahren um zwei bis vier Grad ansteigen. Die Auswirkungen sind längst in vielen Bereichen sichtbar, wie intensivere Niederschläge, trockenere Sommer (im südlichen und östlichen Raum) sowie diverse Wetterkapriolen belegen. Die entscheidende Frage ist, was getan werden müsste bzw. ob wir überhaupt noch etwas tun können, um hier gegenzusteuern. Heute geht es in erster Linie darum, durch Emissionsreduktionen das Tempo des Klimawandels zu bremsen und die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von abrupten Änderungen zu mindern. Um solche Maßnahmen zum Schutz des Klimas zu erreichen, sind nicht nur Politik und Wissenschaft gefordert, sondern jeder einzelne von uns.

Kritisch hinterfragt werden die Argumente der Klimaskeptiker und es erstaunt schon, wenn wir erfahren, welches Finanzvolumen für Klimakampagnen zur Verfügung gestellt wurde, die die heutigen Forschungsergebnisse in Zweifel ziehen. Beispielsweise erhielt die "Global Climate Coalition" (gesponsert von amerikanischen Öl-, Kohle- und Autokonzernen) innerhalb von sechs Jahren 63 Millionen Dollar, während das deutsche Klimaforschungsprogramm mit rund 100 Einzelvorhaben in sechs Jahren mit gerade mal 37 Millionen Euro auskommen musste. Daran wird deutlich, dass weder die US-amerikanische Regierung, noch ihre Wirtschaft Interesse an Maßnahmen zum Klimaschutz haben. Darum scheint das Bemühen um den Klimaschutz momentan noch wie der Kampf Don Quichotes gegen Windmühlen. Das vorliegende Schwarzbuch ist ein kleiner Beitrag in diesem Kampf, den Klimaschutz in unserem eigenen Interesse voranzubringen. A. A.

Helga Kromp-Kolb / Herbert ; Formayer: Schwarzbuch Klimawandel. Wie viel Zeit bleibt uns noch? Salzburg: ecowin-Verl., 2005. 222 S., € 19,90 / sFr 34,80

ISBN 3-902404-14-0

ZITATE

"Die Temperatur ist im letzten Jahrhundert im globalen Mittel um etwa 0,6 °C gestiegen, wobei dieser Anstieg der rascheste der letzten 100 Jahre ist und die erreichten Temperaturen die höchsten in diesem Zeitraum sind."

(Schwarzbuch Klima S. 11)

<img src="/fileadmin/templates/zf/img/dandelion_staunen.gif"/>