by Greenpeace and friends

Rio+20 - Auf dem Weg zu globaler Gerechtigkeit?



Juni 2012

20 Jahre nach dem Erdgipfel in Rio und 40 Jahre nach der ersten globalen Umweltkonferenz in Stockholm scheinen die Visionen von "One Planet", von EINEM Planeten mit EINER Menschheit, die gemeinsam, fair und sorgsam mit ihrem einzigen Lebensraum umgeht, aus der globalen Polit-Agenda endgültig verdrängt.
Internationale Vereinbarungen verkommen zu Unverbindlichkeiten, wer Klima-Ziele nicht erreicht, tritt aus den Konventionen aus.  Dabei zeigen alle Parameter bereits auf Warnstufe Rot!
Sowohl die unfassbare soziale Ungerechtigkeit als auch die dramatische ökologische Überschuldung gefährdet den Kern der Idee von Rio: „…die Bedürfnisse der heutigen Generation zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten der zukünftigen Generationen aufs Spiel zu setzen.“  Die Weltgemeinschaft ist am besten Weg, weder noch zu erreichen.
Zugleich ist die Zahl der Menschen, die begreifen, dass ein Fortschreiben der bisherigen Entwicklungen weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll ist, so groß wie noch nie in der Geschichte der Neuzeit. Weltweit gärt es unter den Cultural Creatives aller Gesellschaften. Egal ob  romantisch oder revolutionär motiviert, die  Sehnsucht nach Veränderung „zum Besseren“ schafft bereits die Basis für die nächste große Wende.
Diese „Next Great Transition“, so sind sich ExpertInnen einig,  wird in ihrer transformatorischen Wirkung der Neolithischen- und der Industriellen-Revolution um Nichts nachstehen.
Im Kern geht es dabei um den Umgang mit den physischen Grenzen des Planeten, es geht um Nachhaltigkeit,  Kooperation und Miteinander statt Ausbeutung, Konkurrenz und Krieg.  
Es geht um ein Dämmern von Globalverstand, der Schwester des Hausverstandes,  getragen von der Einsicht, dass ein friedliches Zusammenleben in Raumschiff Erde  nur mit einer fairen Hausordnung möglich sein wird.
Eine Hausordnung, die weltweit Frieden, Menschenwürde und zukunftsfähige Lebensstile für alle Passagiere erlaubt, wird nicht nur Wirtschaft, Politik und Gesellschaft revolutionieren sondern vermag auch die Lebensqualität  für alle zu erhöhen. Die Armen bekommen genug Nahrung, sauberes Wasser, Bildung und politische Partizipation. Wir bekommen mehr Zeit zum Leben, mehr Freunde, mehr Freude und weniger Stress. .. , das „Gute Leben“ mit fairem sozialen und ökologischen Fußabdruck .
Ob der nächste Erdgipfel in Rio de Janeiro (20.-22.Juni 2012) den Beginn dieser fairen Hausordnung für Raumschiff Erde einleitet, ist zu bezweifeln. Nicht weil es den Veranstaltern an Einsicht mangeln würde. Doch solange die politischen VertreterInnen der mächtigen Länder die notwendigen Veränderungen als drohenden Kollaps und nicht als wünschenswerte Transitionen in eine lebensfreundliche, ökologisch stabile und faire Weltgemeinschaft sehen, wird der Gipfel doch wieder nur zu einem traurigen Triumph der nationalen Egoismen.

Genau in dem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher und politischer Stagnation und kühnen Ideen für Veränderung suchen zivilgesellschaftliche AkteurInnen gemeinsam nach Wegen zu einer friedlichen Gestaltung der Wenden.
Wie fit eine Gesellschaft auf Herausforderungen reagieren kann, hängt nicht zuletzt von Vielfalt ab, vom Experimentierraum, der sich der Zivilgesellschaft bietet, die ungenutzten Potentiale für das „Gute Leben“ in einer lebenswerten Gesellschaft auszuloten. Erst mit hoher gesellschaftlicher Fitness auf allen Ebenen (Resilienz) werden Veränderungen für Mehrheiten nicht als Reihe von Katastrophen, sondern als wünschenswerte Transitionen in eine lebensfreundliche, global faire Gesellschaften erlebbar und schaffen erst dadurch den politischen Auftrag zu Veränderungen.

Freilich braucht jede Veränderung Visionen, Vorbilder und Information darüber.  Eine friedliche „Next Great Transition“ erfordert  nicht weniger als eine „Neue Aufklärung“, das Dämmern von Globalverstand und damit das Akzeptieren einer fairen Hausordnung für Raumschiff Erde.
Diese zu gestalten hat die „Internationalen Staaten-Gemeinschaft“ seit Jahrzehnten leider verabsäumt, der Ball ist nun bei den Betroffenen. Die Passagiere des Raumschiffs Erde können sich auch selbst eine faire Hausordnung geben.
Dei Aspekte reichen dabei von Verfeinerung und Vertiefung der demokratischen Instrumente über alternative Ideen für Wirtschaft- und Geldsysteme, konkrete Sozial- und Umweltschutzprojekte bis hin zur Umsetzung zukunftsfähiger Lebens-Stile.  Alles unter der Prämisse des „Globalen Kategorischen Imperativs“, der unverhandelbar klar legt, dass unsere Freiheit, einen beliebigen Lebensstil zu wählen dort – und nur dort – endet, wo er das Leben und Überleben anderer Passagiere im Raumschiff unmöglich macht.  

 

Diskussion zum Thema

Gerechtigkeit in einer endlichen Welt – Wie werden ökosoziale Transformations-
prozesse erfolgreich?

Im Zeit-Raum, Radiokulturcafe

Dienstag, 19. Juni 2012, 18:30 Uhr

Johannes Kaup im Gespräch mit
Kora Kristof (Umweltbundesamt Deutschland)
Barbara Kolm (Friedrich A. v. Hayek Institut Wien)
Josef Riegler (Global Marshall Plan Initiative) und
Wolfgang Pekny (Plattform "Footprint")

Eine Kooperation des RadioKulturhauses, des ÖKOBÜRO und der Wiener Zeitung

 


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