by Greenpeace and friends

Overshootday für Österreich 2018


Freitag, der 13. April 2018 ist Overshoot Day für Österreich. An diesem Tag haben wir in Österreich alle Naturressourcen aufgebraucht, die uns - weltweit betrachtet - fairer Weise zustehen würden. Wir leben für den Rest des Jahres im ökologischen Defizit.

Bei etwa 13 Milliarden Hektar bioproduktiver Fläche und etwa 7,65 Milliarden Erdenbürgerinnen stehen rein rechnerisch etwa 1,7 Global Hektar (gha) pro Mensch zur Verfügung. Der einer Person fair zustehende Footprint wäre damit maximal 1,7 gha, oder deutlich weniger, wenn auch die Ansprüche der anderen, vielen Millionen Tier- und Pflanzen-Arten berücksichtigt werden.  

Aber sogar die vollen 1,7 gha sind für die ÖsterreicherInnen Mitte April bereits aufgebraucht. Mit einem Footprint von etwa 6 gha in diesem Jahr liegen die Österreicher sehr weit über dem globalen Soll. Da jeder Quadratmeter, den wir fortan mehr beanspruchen, einem anderen Menschen rechnerisch fehlen wird, leben wir den Rest des Jahres unbestreitbar auf Kosten anderer ErdenbürgerInnen, nämlich den Ärmeren Mehrheit!
Ab dem Earth Overshoot Day (heuer für Ende Juli/Anfang August erwartet) verschärft sich die globale Lage nochmals, denn ab dann wird die gesamte Menschheit die nachhaltigen Leistungen der Natur ausgeschöpft haben (technisch betrachtet die global verfügbare Biokapazität). Raumschiff Erde wird als Ganzes ins ökologische Defizit gelangen. Damit wird der Overshoot von einer himmelschreienden sozialen Ungerechtigkeit auch zu einem ökologischen Wahnsinn. Wir vernichten systematisch unwiederbringliches Öko-Kapital, anstatt mit den nachhaltigen Zinsen der Naturleistungen auszukommen. Wir sägen damit mehr als nur bildlich an dem Ast, auf dem wir sitzen. Noch lässt sich die Natur scheinbar ungestraft ausbeuten, aber die Überlastung der Natur-Systeme zeigt schon Folgen und geht jedenfalls auf Kosten der Zukünftigen und auf Kosten all der anderen Geschöpfe unserer Erde.

Die Abschätzung von aktuellen Overshoots kann immer nur eine Hochrechnung sein, da genaue Daten für das laufende Jahr noch nicht vorliegen. Belastbare Daten für den Ökologischen Fußabdruck gibt es erst für 2014. Das Festlegen des Datums für das aktuelle Jahr erfolgt durch Extrapolation der Trends nach verfügbaren (meist hauptsächlich ökonomischen) Daten. Selbst nach Bekanntgabe kann sich das tatsächliche Datum des Overshoots im Nachhinein noch ändern, genau wie Budget-Vorhersagen irren können. So etwa, wenn die Ausgaben (Footprint) und Einnahmen (Biokapazität) stärker als erwartet schwanken. Z.B. durch Wirtschafts-Boom oder Krise bzw. Super-oder Missernten.

Das Datum liegt mit +/-10% gut im üblichen Fehlerintervall. Trends sollten daraus nicht abgeleitet werden, da ja die Annahmen selbst nur auf der Interpretation von Trends beruhen.

Trotz dieser Unsicherheiten bleibt die erschreckende Tatsache und zentrale Message davon völlig unberührt: Wir leben noch sehr weit weg von jeglicher Nachhaltigkeit.
„Statt Wunschzettel an die Klima-Fee zu schicken und blindes Wachstum in die Verfassung zu hämmern, sollte die Bundesregierung sofort die Reduktion des Ökologischen Fußabdrucks auf ein global faires Niveau als Staatsziel verankern“ verlangt Wolfgang Pekny, Geschäftsführer der Plattform Footprint.
Statt einem risikoreichen „Weiter wie bisher“ würde eine rasche Fokussierung auf das – langfristig ohnehin zwingend notwendige - Ziel „Reduktion des Footprints“  den Fortschritt keinesfalls beschneiden sondern im Gegenteil sogar entfesseln. Denn um das bestmögliche Leben mit dem kleinstmöglichen Footprint zu verwirklichen, müssen alle gesellschaftlichen Kräfte mobilisiert werden. Von Hightech-Lösungen aus Wissenschaft und Forschung bis zu schlauem Lowtech und klugem Konsumverzicht. Und es braucht ein längst überfälliges Nachdenken darüber, welche Lebensqualität wir uns wünschen.  Wann ist Genug genug? Wieviel ist mir (Lebens)zeit wert?

„Lebensqualität darf – und soll – steigen. Zum Beispiel mehr Zeit für sich und für andere, mehr Spaß, mehr Wissen, mehr Weisheit, mehr Engagement, mehr Zufriedenheit, das alles darf ja weiter wachsen. Einzig der Ressourcenverbrauch muss sinken,“ beschreibt Pekny das One-Planet-Living als attraktive Utopie. „Wie selbstverständlich ginge damit auch ein Erfüllen der Pariser Klimaziele einher, es gäbe starke wirtschaftliche Impulse im Bereich erneuerbarer Energien, nachhaltigem Verkehrswesen und zukunftssicherem Bauen und es würde eine nachhaltige Wende im Bereich Landwirtschaft und Ernährung ausgelöst, die uns neben kleinerem Footprint auch noch gesünder leben lässt.“

Jeder ein Narr, der sich weniger wünscht. 

wolfgang.pekny@footprint.at