by Greenpeace and friends

Rio+20 Auf dem Weg zu globaler Verantwortung


Overshoot2011




(c) Global Footprint Network

Raumschiff Erde im Defizit.

Am 27.September ist das Jahresbudget der Natur aufgebraucht.

Ab 27. September 2011 ist die Menschheit als Ganzes in den "roten Zahlen".

An diesem Tag ist alles an Biokapazität beansprucht, was die Natur für das ganze Jahr bereitstellen kann. Ab diesem Tag wird die Menschheit bis zum Jahresende über die Verhältnisse leben - sozusagen auf Pump - und das Kapital der Natur aufzehren anstatt sich mit den Erträgen zufrieden zu geben.

Was sich in der Welt der Wirtschaft und Finanz als wenig klug erweist, kann im ökologischen Bereich zu noch viel größeren Katastrophen führen. Ökosysteme können nach Überschuldung nicht in den Ausgleich gehen und die Folgen eines Bankrotts der Natur mag sich noch niemand ausmalen.

Die Presseerklärung der Plattform Footprint zum Earth  Overshoot Day finden Sie >hier.

Die Aussendung des Global Footprint Networks (in Englisch) >hier.

Das Global Footprint Network mit Sitz in Kalifornien berechnet jedes Jahr den Ökologischen Fußabdruck der Menschheit: dabei  werden die erforderlichen produktiven Land- und Meeresflächen errechnet, die für unseren Jahresverbrauch an Gütern und für den Abbau unserer Abfälle  (einschließlich CO2-Emissionen) benötigt werden, und dieser Wert wird mit dem der tatsächlichen globalen Biokapazität (was die Ökosysteme der Erde tatsächlich bieten können) verglichen.

Das Konzept des  'Earth Overshoot Day' wurde von der englischen NGO NEF (New Economic Foundation) im Jahr 2007 entwickelt (seit diesem Jahr sind die entsprechenden statistischen globalen Daten verfügbar) und seitdem jährlich berechnet und "zelebriert".

Die Berechnungen erfolgen anhand der jeweils besten verfügbaren statistischen Daten, der Bevölkerungs- und Konsumentwicklung  auf globaler Ebene und der Wechselwirkung zwischen der Entwicklung des globalen BIP und dem globalen Ressourcenbedarf sowie einer Abschätzung der global verfügbaren Biokapazität.

Unterschied zu 2010

Im letzten Jahr (2010) wurde der Overshootday mit 21. August abgeschätzt. Die deutliche Verschiebung nach hinten für 2011 ist leider kein Zeichen einer Verbesserung der globalen Ressourcen-Situation sondern Ergebnis neuer methodischer Herangehensweisen zur Abschätzung der Biocapazität.

Weil der wissenschaftliche Diskurs noch nicht abgeschlossen ist, kommt heuer ein Mittelwert von vier Abschätzungs-Methoden zur Anwendung. Danach ist der Wert für die Biokapazität nun etwas höher als im letzten Jaht angenommen.

Mehr Vorräte ergeben also etwas weniger Overshoot.

“Unabhängig von den Zahlen hinter dem Komma, was wir sicher wissen ist, dass wir über den Möglichkeiten leben, die uns die Erde bieten kann,“ erklärt Mathis Wackernagel, Miterfinder des Ecological Footprint und Präsident des Global Footprint Network.

Zu Österreich:

Der Footprint pro EinwohnerIn in Österreich beträgt  5,3 gha (aktuellste Daten 2010 auf Grundlage der Statistiken 2007)

Die weltweit verfügbare Biokapazität pro EinwohnerIn beträgt (entsprechend der Abschätzungen 2011  ca. 2 gha /cap (der Mittelwert der Szenarien)

Der Österreichische Overshoot Day war damit bereits der 18. Mai 2011

Selbst wenn man die (überproportional große ) Biokapazität unseres Landes ( 3,3 gha/cap) zugrunde legen würde, dann wäre der Overshoot schon mit  17. August 2011 eingetreten.

(Anm. Die nationale Betrachtungsweise macht allerdings nur wenig Sinn. Nach dieser gäbe es etwa in Kuwait oder Saudiarabien überhaupt kein „Energie-Problem“,  eine Betrachtung, die global so wenig Aussagekraft hat wie die Behauptung „in Österreich gibt es genug Holz“, in einer Welt, in der die Wälder nach wie vor schwinden.)

Doppeltes Dilemma:

Die Biocapazität der Erde ist bereits überstrapaziert, obwohl drei Viertel der Menschheit mit dem "Konsumieren" noch gar nicht so richtig begonnen haben!

Dass der globale Overshoot nicht noch größer ist,  schulden wir den armen und ärmsten Ländern, die noch sehr wenig zum Globalen Overshoot beitragen.

Ökologisch „günstig“, aber natürlich ein dauerhaft völlig unhaltbarer Zustand, - der Kern unserer Zukunfts-Unfähigkeit!

Unter Annahme einer Biocapazität von 2gha  wurden die „Nationalen Overshoots“ an folgenden Tagen erreicht  (Genauigkeit etwa +/- 5 Tage)

Nordamerika                1. April

Australien                   17. April

Österreich                  18. Mai

Deutschland               23. Mai

Schweiz                      26. Mai

EU                               26. Mai

LA&Karibik                     8. Oktober.

Asien                           keiner                44 Tage „Reserve"

Afrika                          keiner              153 Tage „Reserve“

Achtung, selbst innerhalb der Kontinente können die Unterschiede der Länder noch sehr groß sein, v.a. in Asien und Afrika! !

In Asien fällt der Overshoot Day in Japan und Süd Korea etwa Ende Mai, in den VAE bereits am 9. März (Rekordhalter)

Das bevölkerungsreiche Indien hat dagegen rechnerisch noch ein weiteres Jahr plus 61 Tage Reserve!

In Afrika ist Libyen global betrachtet sehr wohl im Overshoot, Ägypten dagegen ist global im „grünen Bereich“, aber national betrachtet schon im Overshoot. (weil es dort sehr wenig Biocapazität gibt)

Lexikon: Was ist der Overshoot?

Über den längsten Teil der Geschichte hat die Menschheit als Ganzes weniger natürliche Rohstoffe verbraucht und weniger CO2 produziert, als die Erde von sich aus neu schaffen und regenerieren konnte.

Erst vor etwa 30 Jahren hat die Menschheit begonnen, mehr zu verbrauchen als der Planet leisten kann. Dieser Fehlbetrag zwischen “Einnahmen” und “Ausgaben”, dieser „Overshoot“ (“ökologische Defizit”)  wächst seitdem kontinuierlich von Jahr zu Jahr. Ein prinzipiell nicht zukunftsfähiger Trend.

(Trotz wirtschaftlicher Stagnation in den OECD Staaten seit der Krise 2008 stieg der globale Overshoot weiter an, wenn auch weniger stark als in dem Jahrzehnt davor.)

Overshoot und Klimawandel

Der Klimawandel ist der deutlichste Hinweis auf unser unverantwortliches Umgehen mit der natürlichen Umwelt. Die Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl, Kohle und Gas  setzt mehr CO2 frei, als die Ökosysteme verarbeiten und ausgleichen können; daher steigt der  CO2-Anteil in der Erdatmosphäre und trägt zum Klimawandel bei. Der Carbon-Footprint stellt einen wesentlichen Anteil am “Ökologischen Fußabdruck” der Menschheit dar und ist der am schnellsten wachsende Anteil am Footprint.  Seit 1970 hat sich der CO2-Ausstoss mehr als verdoppelt und macht nun mehr als die Hälfte des Fußabdruckes der Menschheit aus. Eine weitgehende Reduktion der CO2 Emissionen ist deshalb eine zentrale Voraussetzung beim Reduzieren unseres Ökologischen Fußabdrucks.

Hintergrundmaterial und Grafiken des Global Footprint Network >hier

Um Ihren persönlichen Ökologischen Fußabdruck zu berechnen und Verbesserungsmöglichkeiten zu analysieren, können Sie unsere Fußabdruckrechner nutzen. >link